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Sonntag, 18. Februar 2018

Rezension Jason Starr

"Phantasien" von Jason Starr


Taschenbuch: 400 Seiten
Verlag: Diogenes; Auflage: 1 (24. Januar 2018)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3257244193
ISBN-13: 978-3257244199
Originaltitel: Savage Lane


Inhaltsangabe:

Die Savage Lane ist eine hübsche Straße in einem wohlhabenden Vorort von New York. Hinter den gepflegten Fassaden aber gärt und kocht es. Mark Berman, seit zwanzig Jahren mit Deb verheiratet, träumt von seiner sexy Nachbarin Karen. Deb ist rasend eifersüchtig. Obwohl sie selbst ein schmutziges Geheimnis hat. Eine bitterböse Komödie der erotischen Verwirrung und Verblendung – mit tödlichem Ausgang.

Autoreninfo:

Geboren 1968, wuchs Jason Starr in Brooklyn auf und begann in seinen College-Jahren zu schreiben, zunächst Kurzgeschichten, später auch Romane und Theaterstücke. Früher verkaufte er Parfüm, Computer und - Höhepunkt seiner Karriere - unzerreißbare Strumpfhosen und redete sich die Seele aus dem Leib als Telefonverkäufer. Heute ist Jason Starr selbsternannter Experte für American Football und Baseball, für Pferderennen und Glücksspiel. Er lebt in New York. 

Meine Meinung:

Titel: Mehr los als in der Wisteria Lane...

Weil sich der Klappentext des Buches so sehr nach Desperate Houswives anhörte, war direkt meine Neugierde geweckt, doch was ich geboten bekam, war so viel besser.

In der Geschichte geht es um die Savage Lane, eine ruhige Straße mit ungescholteten und zufriedenen Bürgern. Doch der Schein trügt. Hinter jeder Hausfassade steckt ein Drama. Doch wo brodelt es am meisten? Und wer wird dafür die Konsequenzen tragen?

Jason Starr ist ungemein geschickt im Schreiben, denn er führt seinen Leser immer mal wieder an der Nase herum. Zunächst einmal bekommen wir in jedes Haus der Straße einen Einblick und erleben die einzelnen Bewohner. Bereits zu Beginn der Handlung merkt man, dass es unterschwellig überall zu brodeln scheint.

Tja und je mehr man liest, desto mehr erfährt man, wer mit wem ein Verhältnis hat. Dabei lässt der Autor wirklich rein gar nichts aus. Selbst der nach außen hin schwer verliebte Ehemann entpuppt sich im Verlauf der Geschichte als homosexuell, steht eben nur nicht dazu.

Das Besondere an der Geschichte für mich war, dass offenbar jeder der Protagonisten nur glauben und sehen will, was er sich selbst einredet. Da können noch so viele Beweise dagegen sprechen, man glaubt nicht der Realität. Zwischenzeitlich habe ich mich wirklich gefragt, ob alle in der Straße verrückt geworden sind? Aber wahrscheinlich war genau das die Absicht des Autors, dass er uns in die Abgründe einer jeden Seele blicken lässt.

Ich habe mit vielen der Protagonisten sympatisiert, aber im Verlauf der Geschichte bekommt man so seine Zweifel, wem man noch glauben kann und wem nicht.

Je näher man dem Ende kam, umso spannender wurde es und ich konnte einfach nicht mehr mit dem Lesen aufhören. Für mich war das Buch eine komplette Überraschung, denn nie hatte ich damit gerechnet, was da auf mich zukommt.

Fazit: Unglaublich spannende Unterhaltung, die teilweise mehr was von einem Thriller als von einem Roman hat. In jedem Fall ein echter Pageturner, dem ich nur jeden ans Herz legen kann, der spannende Unterhaltung mag. Stoff, der auch zum Verfilmen geeignet wäre.

Bewertung: 5/ 5 Sternen

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Samstag, 17. Februar 2018

Rezension Emma Cline

"The Girls" von Emma Cline


Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG; Auflage: 2 (25. Juli 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3446252681
ISBN-13: 978-3446252684
Originaltitel: The Girls


Inhaltsangabe:

Kalifornien, 1969. Evie Boyd ist vierzehn und möchte unbedingt gesehen werden – aber weder die frisch geschiedenen Eltern noch ihre einzige Freundin beachten sie. Doch dann, an einem der endlosen Sommertage, begegnet sie ihnen: den „Girls“. Das Haar, lang und unfrisiert. Die ausgefransten Kleider. Ihr lautes, freies Lachen. Unter ihnen ist auch die ältere Suzanne, der Evie verfällt. Mit ihnen zieht sie zu Russell, einem Typ wie Charles Manson, dessen Ranch tief in den Hügeln liegt. Gerüchte von Sex, wilden Partys, Einzelne, die plötzlich ausreißen. Evie gibt sich der Vision grenzenloser Liebe hin und merkt nicht, wie der Moment naht, der ihr Leben mit Gewalt für immer zerstören könnte.

Autoreninfo:

Cline wuchs mit fünf Geschwistern in Sonoma in Kalifornien auf. Sie schloss ihr Studien mit dem Grad Master of Fine Arts an der New Yorker Columbia University in Manhattan ab. Danach verzog Cline in den New Yorker Stadtteil Brooklyn, wo sie heute noch lebt und arbeitet. Sie schreibt unter anderem für das Magazin O von Oprah Winfrey und für The New Yorker. Ihre Erstveröffentlichung Marion wurde 2014 ausgezeichnet. 2016 erschien ihr Erstlingsroman "The Girls" auf Englisch und Deutsch.

Meine Meinung:

Titel: Süchtig nach Suzanne Parker...

In der Geschichte geht es um Evie, deren Leben so unendlich langweilig ist und wenig lebenswert erscheint, dass es dringend einer Änderung bedarf. Doch dann lernt sie Suzanne kennen, die Lebensmittel aus einen Container fischt. Evie erfährt von der Farm und ist regelrecht versessen nach Suzanne. Wird diese Bekanntschaft ihr Leben für immer verändern?

Der Roman ist eher schwierig zu lesen, muss man sich zunächst erst einmal an die Sprache der Autorin gewöhnen. Ich brauchte gut hundert Seiten zum Eingewöhnen und habe immer wieder überlegt, ob ich abbreche, aber dann war das Verlangen zu erfahren, was damals geschah größer. Es kommen viele sprachliche Bilder zum Einsatz, die zwar die Vorstellungskraft des Lesers ankurbeln, aber einfach zu viel sind und teils den Lesefluss stören.

Durch die Handlung führt uns Evie Boyd als Ich- Erzählerin. Mal begleiten wir sie 1969 als 14 jähriges Mädchen, mal als erwachsene Frau, die ihre Kindheits- und Jugenderinnerungen Revue passieren lässt. Sehr deutlich kommt dabei die Obsession rüber, die die Erzählerin Suzanne gegenüber verspürt. Das ist keine normale Freundschaft mehr, sondern eher eine Sucht.

So einen richtig roten Faden hatte die Geschichte für mich nicht. Immer wieder schweift die Autorin vom eigentlichen ab. Dennoch wird sehr deutlich wie sehr sich Evie nach Anerkennung sehnt und wie ihr jedes Mittel recht ist, diese zu bekommen. Dabei sind das Bestehlen der eigenen Mutter nur die kleinen Vergehen. Die Trostlosigkeit des damaligen Teenagerlebens wird sehr deutlich und auch die regelrechte Langeweile, die das Mädchen zu quälen scheint. Der regelmäßige Drogenkonsum scheint absolut normal für die damalige Zeit, fast schon eine Nebensächlichkeit.

Die Offenbarung am Ende des Buches war kein Knallereffekt wie ich ihn erwartet hatte, sondern eher fad und ohne große Ausführungen offengelegt. Ich hatte igendwie mehr Erklärungen zu der Tat erwartet. Auch Spannung vermisste ich hier kläglich.

Fazit: Auch wenn mir einige Passagen recht gut gefallen haben, so zum Beispiel die Darstellung der Ungezwungenheit in der Jugend, so konnte mich dieses Buch nicht wirklich überzeugen. Eher bleibt das Geschilderte mit einem faden Beigeschmack am Leser kleben. Daher kann ich leider keine Leseempfehlung aussprechen.

Bewertung: 2/ 5 Sternen

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[Leseeindruck] zu "Der Himmel über unseren Träumen" von Heidi Rehn

Hallo ihr Lieben,
 

ich hatte gestern Überraschungspost vom Knaur Verlag in meinem Postkasten und dabei handelte es sich um eine richtig schön aufgemachte Leseprobe von Heidi Rehn ihrem bald erscheinenden Roman "Der Himmel über unseren Träumen" (ET: 03.04.2018).


Die wie einTaschenbuch gestaltete Leseprobe bot mir über 90 Seiten (die ersten 8 Kapitel) Lesespaß, so dass ich mir einen ersten Eindruck vom Roman machen konnte.

In der Geschichte geht es um Vera Cohn, die im Nachkriegsdeutschland als rückgekehrte Jüdin eine Karriere als Architektin in München starten möchte. Ob ihr das so kurz nach dem Krieg gelingt?

Bereits auf den ersten Seiten wird klar, dass die Autorin vor allem die Rolle der Frau in Nachkriegsdeutschland beleuchtet und dabei ganz nebenbei wichtige Ereignisse der damaligen Geschichte mit einstreut, was ich richtig klasse finde.

Besonders ist für mich, weil es mal ein Buch ist, welches nicht während des Krieges spielt, sondern kurz danach. So etwas habe ich bisher nicht gelesen, weshalb es für mich umso interessanter ist.



Gelungen ist außerdem die Art der Sprache, die Frau Rehn verwendet, denn man fühlt sich wirklich in die 50er Jahre versetzt.

Mir hat die Leseprobe sehr gut gefallen und ich warte jetzt ganz gespannt auf das Erscheinen des Buches.

Habt ihr von der Autorin schon Bücher gelesen? Sie konnte mich jedenfalls schon mit einigen Romanen richtig begeistern und es scheint ganz so als wenn ihr neustes Werk das ebenfalls schafft. Ich bin gespannt.

Freitag, 16. Februar 2018

[Serienkritik] The End of the F***ing World (Netflix)

"The End of the F***ing World"


Erstausstrahlung: 24. Oktober 2017
Letzte Folge: 24. Oktober 2017
Anzahl der Folgen: 8
Originalsprache: Englisch
Produktionsunternehmen: Clerkenwell Films, Dominic Buchanan Productions
Produktion: Kate Ogborn

Inhaltsangabe:

Im Mittelpunkt der Handlung steht der 17-jährige James, der glaubt, ein Psychopath zu sein. Das Töten von Tieren ist ihm nicht mehr genug, weshalb er seinen ersten Mord an einem Menschen plant. Da kommt die neue Schülerin Alyssa gerade recht. Während James es also auf sie abgesehen hat, verliebt Alyssa sich in ihn.

Meine Meinung:

Titel: Völlig durchgeknallt, aber trotzdem unendlich gut... 

Die britische Dramedy-Fernsehserie basiert auf der gleichnamigen Comic- Reihe von Charles S. Forsman.Sie besteht aus einer Staffel mit kurzen, knackigen 8 Folgen, in denen so viel erzählt wird, dass es nach meinem Empfinden keiner weiteren Folgen oder gar Staffeln bedarf, da eigentlich alles erzählt ist.
Die Serie besticht vor allem durch ihre sehr speziellen Charaktere. Vor James hat man die ganze Zeit einfach nur Angst. Er ist sehr ruhig und in sich gekehrt, aber was da alles in seinem Kopf abgeht, lässt einen eine saftige Gänsehaut bekommen. Als die Aktion mit seiner Hand gezeigt wird, konnte ich nicht mehr hinschauen. 
Alyssa ist da von einem ganz anderen Schlag, denn ihr merkt man sofort an, wenn etwas nicht stimmt und sie ist immer offen heraus mit allem was sie denkt und meint. Das so etwas nicht immer gut ankommt, stört sie wenig, manchmal provoziert Alyssa daher sogar gern einen Streit mit wem auch immer.
Jede Folge für sich macht klar wie unbedeutend, langweilig und trist so ein Teenagerleben sein kann und wie man versuchen kann daraus auszubrechen.
Die Schauplätze sind ebenso trostlos wie das Leben der Jugendlichen, denn oft bewegt man sich als Zuschauer auf Feldern, kleinen heruntergekommenen Straßen oder am verlassenen Meer.
Das Ende der Staffel ist offen und bietet so reichlich Stoff für Spekulationen, die man als Zuschauer anstellen kann. 

Fazit: Eine Serie, bei der man durchaus emotional werden kann. Ich habe mich sehr gut unterhalten gefühlt. Ein Kleinod unter den Serien, wenn auch leicht trashig.

Bewertung: 5/ 5 Sternen

Dienstag, 13. Februar 2018

[Serienkritik] Anne with an "E" (Netflix)

"Anne with an "E""


Erstausstrahlung: 19. März 2017
Titellied: Ahead by a Century
Adaptiert von: Anne auf Green Gables
Anzahl der Folgen: 7
Anzahl der Staffeln: 1

Inhaltsangabe:
 
Durch ein Missverständnis landet Anne Shirley, ein 13-jähriges lebhaftes Waisenkind, im Jahr 1890 bei dem Geschwisterpaar Matthew und Marilla Cuthbert, die eigentlich mit einem Jungen gerechnet hatten, der sie bei der Farmarbeit unterstützen sollte. Anne hat ihre Kindheit, die wahrlich nicht leicht war, großteils in verschiedenen Waisenhäusern verbracht. Ihre positive Einstellung zum Leben konnte sie sich trotzdem bewahren und so schafft sie es, durch ihren Intellekt und vor allem ihre Vorstellungskraft nicht nur das Leben von Matthew und Marilla positiv zu verändern, sondern auch in der kleinen Stadt, in der sie nun lebt, dafür zu sorgen, dass sich so einiges zum Besseren wendet.

Meine Meinung:
 
Titel: Ein besonderes Mädchen mit vorlautem Mundwerk und jeder Menge Herz...

Die Romanvorlage zur Serie kenne ich persönlich nicht, aber da mich die besondere Geschichte des Waisenmädchens neugierig gemacht hat, wollte ich dann auch die Serie schauen.

In der Geschichte geht es um die wortgewandte 13 Jährige Anne, die endlich das Waisenhaus verlassen darf. Es gibt für sie nichts Schöneres als endlich Familie zu haben. Doch dann stellt sich heraus, dass die Cuthberts sie eigentlich nicht wollen. Wird sie die beiden Geschwister dennoch überzeugen können sie zu behalten?

Zu Beginn der Serie empfand ich Anne als Hauptcharakter doch sehr anstrengend, einfach weil sie dauernd redet, ständig vor sich hin träumt und immer einen Tick zu laut für ihre Umgebung ist. Doch auch wenn sie so ein kleiner Wildfang ist, so ist sie doch herzensgut. Für sie sind gesellschaftlicher Stand oder Äußerlichkeiten kein Grund jemanden nicht zu mögen, ist sie doch selbst nicht gerade mit Schönheit gesegnet.

Freundschaft und Für- Einander-Da-Sein spielen in der Serie eine große Rolle, denn egal ob es brennt, jemand krank ist oder Geld fehlt, Anne ist immer zur Stelle.

Das Besondere an Anne ist vor allem ihre ewig gepriesene Vorstellungskraft, denn davon hat sie jede Menge. Ständig träumt sie sich in andere Welten und gibt einfachen Orten besondere Namen. Auch ihr Wortschatz ist enorm, verwendet sie doch zahlreiche Begrifflichkeiten, die nicht mal ihre Zieheltern kennen. Mir hat wirklich sehr gefallen, dass sie das noch kann, obwohl sie so viel durchmachen musste. In unserer heutigen Zeit und gerade als Erwachsener ist einem das kaum noch möglich.

Fazit: Eine besondere Serie, wo hoffentlich noch mehr als eine Staffel abgedreht werden. Gelungene Unterhaltung für jung und alt.

Bewertung: 4/ 5 Sternen

Montag, 12. Februar 2018

Rezension Teresa Simon

"Die Oleanderfrauen" von Teresa Simon


Taschenbuch: 544 Seiten
Verlag: Heyne Verlag (9. Januar 2018)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3453421159
ISBN-13: 978-3453421158


Inhaltsangabe:

Hamburg 1936. Die junge Sophie Terhoven, Tochter eines einflussreichen Kaffeebarons, genießt ihr komfortables Leben. Hannes Kröger, der Sohn der Köchin, ist ihr von Kindheit an Freund und Vertrauter. Irgendwann verändern sich ihre Gefühle füreinander, und plötzlich wird ihnen klar, dass sie sich ineinander verliebt haben. Doch Reich und Arm gehören nicht zusammen, und ein dunkles Geheimnis ihrer Eltern, von dem sie bisher nichts wussten, scheint ihre Liebe unmöglich zu machen.

Autoreninfo:

Teresa Simon ist das Pseudonym einer bekannten deutschen Autorin. Sie reist gerne (auch in die Vergangenheit), ist neugierig auf ungewöhnliche Schicksale, hat ein Faible für Katzen, bewundert alles, was grünt und blüht, und lässt sich immer wieder von stimmungsvollen historischen Schauplätzen inspirieren. 

Meine Meinung:

Titel: Kann Liebe alles überstehen?

Da ich Familiengeschichten liebe, insbesondere solche, die zur Zeit des zweiten Weltkrieges spielen, haben dieses Buch und ich zueinander gefunden.

In der Geschichte geht es um Sophie Terhoven, angesehene Tochter des örtlichen Kaffeebarons, die sich vor dem Krieg in den Sohn der Köchin verliebt. Doch diese Liebe darf nicht sein, gehören arm und reich doch einfach nicht zusammen. Doch dann wird ein Familiengeheimnis gelüftet, was Sophies Leben für immer verändert. Wird sie diese Herausforderung meistern können?

Die Handlung wird uns über zwei Zeitebenen nahe gebracht, denn zum Einen spielt die Geschichte in der Gegenwart des Jahres 2016 und zum Anderen in der Vergangenheit, beginnend ab 1936 bis einschließlich 1943. In der Gegenwart begleiten wir unter anderem die Cafebesitzerin Jule und lernen reichlich über Kaffee. Zum Anderen ist da noch die pensionierte Johanna Martens, die gerade den Dachboden ihrer verstorbenen Mutter ausgeräumt und dort ein altes Tagebuch gefunden hat, welches über das Leben der Sophie Terhoven berichtet. Die Vergangenheit wird uns in erster Linie über das Tagebuch von Sophie nahe gebracht.

Besonders berührt hat mich natürlich das Schicksal von Sophie, welches man sich selbst nie so verwirrend hätte ausmalen können. Die Geheimnisse, die mit der Handlung ans Licht kommen, sind schon eine Besonderheit. Gerade zum Schluss hatte ich nicht mit der Offenbarung gerechnet, was der fiese Moers eigentlich mit Sophie zu tun hat, dachte ich doch immer, dass er sie mal heiraten will. Die Liebe zu Hannes fühlte sich für mich als Leserin stets echt an und man hatte keinerlei Zweifel, was ihre Gefühle anbelangt. Auch fand ich gut, dass sie anders als ihre Mutter nicht das einfache Leben mit allem Pomp und Gloria gewählt hat, sondern zu ihrer Liebe stehen wollte.

Jule war mir auch auf Anhieb sympathisch, konnte ich nur zu gut verstehen, dass es sie maximal angestunken hat, wie alle in ihrer Umgebung ständig schwanger sind, nur sie mit über Dreißig noch immer keinen festen Partner hat und auch beruflich noch nicht ganz auf festen Beinen steht. Ihr Strandperlchen ist wirklich etwas Besonderes, da wäre ich nur zu gern regelmäßiger Gast.

Der Schreibstil der Autorin ist so fesselnd, dass man mit dem Lesen kaum noch aufhören kann und dennoch ergeht es einem wie Jo und Jule, dass man zwischendurch immer wieder kurz inne hält, um das Geschriebene zu verdauen, denn was Sophie alles erleiden muss, ist nichts für schwache Nerven.

Mir hat gut gefallen, dass Frau Simon die Schrecken des Krieges nicht beschönigt, sondern noch unterstreicht auf was die Leute damals alles verzichten mussten und worauf man alles achten musste, damit man nicht im Gefängnis oder ähnliches landet. 

Fazit: Ein Schmöker, wie ich ihn nur zu gern lese. Gern spreche ich dafür eine Leseempfehlung aus. Überaus gelungen!

Bewertung: 5/ 5 Sternen

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Sonntag, 11. Februar 2018

Rezension Benedict Wells

"Spinner" von Benedict Wells


Taschenbuch: 320 Seiten
Verlag: Diogenes; Auflage: New edition (24. August 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3257243847
ISBN-13: 978-3257243840


Inhaltsangabe:

Jesper Lier, 20, weiß nur noch eines: Er muss sein Leben ändern, und zwar radikal. Er erlebt eine turbulente Woche und eine wilde Odyssee durch Berlin. Ein tragikomischer Roman über Freundschaft, das Ringen um seine Träume und über die Angst, wirklich die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Autoreninfo:

Benedict Wells wurde 1984 in München geboren. Nach dem Abitur 2003 zog er nach Berlin. Dort entschied er sich gegen ein Studium und widmete sich dem Schreiben. Seinen Lebensunterhalt bestritt er mit diversen Nebenjobs. 2008 erschien "Becks letzter Sommer" im Diogenes Verlag. Das Buch erfuhr hohe Beachtung in der Literaturkritik, DIE ZEIT nannte es "das interessanteste Debüt des Jahres". Wells war damals der jüngste Autor, der je bei Diogenes unter Vertrag stand. Sein vierter Roman "Vom Ende der Einsamkeit" erschien 2016, er erreichte Platz 3 der Spiegel-Bestsellerliste und wurde mit dem European Union Prize For Literature ausgezeichnet. Nach einigen Jahren in Barcelona lebt Wells inzwischen wieder in Berlin.

Meine Meinung:

Titel: Von der Schwierigkeit des Erwachsen-Werdens...

Benedict Wells hat mit "Vom Ende der Einsamkeit" meinen absoluten Lieblingsroman geschrieben und weil mir dieser so gut gefiel, musste ich auch endlich mal etwas anderes von ihm lesen, weshalb "Spinner" und ich zueinander gefunden haben.

In der Geschichte geht es um den 20 jährigen Jesper, der eine Woche lang orientierungslos durch Berlin wandert. Das Leben ist kein Ponyhof, jede Entscheidung muss gut durchdacht sein. Ist Schreiben das Richtige für den Zwanzigjährigen? Oder sollte er doch wieder ein Studium aufnehmen?

Das Buch ist in sieben Teile untergliedert, von Montag bis einschließlich Sonntag und Jesper führt uns als Ich- Erzähler durch die Handlung. Er erlebt reichlich in der Hauptstadt und nicht alles ist leicht zu verdauen.

Das Besondere an Jesper ist wahrscheinlich, dass man sich als Leser nicht so recht entscheiden kann, ob man ihn mag oder nicht. Oft ist man genervt von seinen Gedankengängen und möchte ihn des Öfteren schütteln, damit er endlich mal aus der Hüfte kommt. Doch im Verlauf der Geschichte spürt man, dass mit ihm etwas nicht stimmt und daran ist der Tod seines Vaters nicht ganz unschuldig. Seine nicht vorhandene Entscheidungsfreude führt ihn gerade deswegen immer tiefer in den Untergang seiner selbst, da sein Leben stagniert und er einfach nicht vorankommt.

Auch wenn die Darstellung von Depressionen sehr verwirrend, mitunter bedrückend und beängstigend ist, so ist sie genauso wie der Autor sie beschreibt: wirr und kaum zu begreifen. Gerade die Halluzinationen der Hauptfigur erschrecken beim Lesen ein ums andere Mal.

Jespers Freunde Gustav und Frank haben zwar auch ihre Päckchen des Lebens zu tragen, wirken auf den Leser aber vergleichsweise normal und nicht ganz so verzweifelt wie ihr Freund.

Das Lesen des Romans ist mir oft nicht leicht gefallen, eben weil die Handlung nicht gerade leichte Kost ist. Das machte es für mich auch schwer zu entscheiden, wie gut mir das Geschriebene gefallen hat oder eben nicht.

Jaspers Leben ist etwas für Leser, die sich von der Düsternis des Lebens nicht abschrecken lassen und auch in der Trauer einen tieferen Sinn sehen. Leser, die selbst Erfahrungen mit Depressionen gemacht haben, in welcher Form auch immer, könnten von der Handlung zu sehr in eine negative Stimmung gesogen werden.

Fazit: Traurige Lektüre, für die man als Leser gemacht sein muss. Keine leichte Kost. Ich kann daher nur bedingt eine Leseempfehlung aussprechen. Mir erschien alles um Jasper etwas zu düster und wenig lebensbejahend.

Bewertung: 3/ 5 Sternen

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